Im
Schwarzwald tanzt der Pinguin
InWEnt schickt It@ab04-Studenten auf Reisen
Freitag, der 12.03.2004 um 12.40 Uhr:
17 Afrikaner mit 17 Notebooks, alle mit demselben
Ziel, besteigen den Zug. Nein, nicht etwa zu einer
Computer-Oase im heißen Wüstensand. Die
Reise führt vom Freiburger Hauptbahnhof zu einer
Hütte auf dem Wiedener Eck im Schwarzwald.
Seien Sie nicht irritiert. Auch viele andere Leser
werden sich die Frage stellen: Was zieht eine Gruppe
Afrikaner in die verschneiten Wälder Südbadens?
Die eigentlich simple aber doch ungewöhnliche
Antwort ist - ein Computer-Workshop der anderen Art.
Nicht etwa von einem anderen Stern, sondern ganz real
in den Höhen des Schwarzwaldes.
Als Umgebung diente die „Rheinfelder-Hütte“
am Wiedener Eck. Diese wurde kurzerhand in ein Computer-Basislager
verwandelt. Strom- und Netzwerkkabel, so weit das
Auge reicht. Und das besondere Highlight: Via Satelit
wurde ein TDSL-Highspeed-Online-Zugang zur Bleibe
im entlegenen Wald gelegt (der Dank für die kostenlose
Aktion gilt Herrn Bernd Grunwald, Leiter T-Business
Freiburg). Denn ein IT-Spezialist ohne Internet ist
wie ein Schneemann im Regen: Nach und nach fällt
er in sich zusammen.

"Wo waren nochmal 19,2° Süden?"
Die
Initiatoren dieser außergewöhnlichen Lernumgebung,
Hans-Peter Merkel und Carlos Zárate, hatten
ganze Arbeit geleistet. Es wurde ein Parkett geschaffen,
dass effektives Arbeiten garantierte. Dementsprechend
umfangreich war auch das Lernprogramm (siehe nebenstehend).
Und wiedereinmal bewahrheitete sich die Theorie vieler
Pädagogen: In entspannter und angenehmer Atmosphäre
lernt es sich besser.
Engagiert und motiviert wurde von Seiten der „It@ab04-students“
mitgearbeitet. Die Dozenten Hans-Peter Merkel und
Markus Schäffauer waren sichtlich zufrieden:
„Es hat riesigen Spaß gemacht, den Workshop
durchzuführen. Markus und ich konnten unser doch
umfangreiches Programm komplett durchziehen, sicherlich
ein Verdienst der tollen Mitarbeit aller. Kurz gesagt:
Die Hütte war ein voller Erfolg.“
Mit dieser Meinung steht Hans-Peter Merkel sicher
nicht alleine da. InWEnt, die federführende Organisation
des It@ab04-Projekts, kann dieses Wochenende ohne
Umschweife als vollen Erfolg verbuchen.

Let's get ready
to hack...
Doch
wie heißt es so schön: Erst die Arbeit, und dann das
Vergnügen. Und dies kommt auf einer Hütte im Schwarzwald
natürlich nicht zu kurz. Die Kombination Schnee, Schlitten
und Berge war prädestiniert für eine Rodelpartie.
Da Afrika nicht unbedingt bekannt ist für Winter und
Eis, gab es eine Premiere zu bewundern: Tollkühne
Afrikaner auf Ihren heißen Schlitten. Das legendäre
Bobteam „Jamaika“ ließ ob der nicht ganz
ausgereiften Rodeltechnik grüßen. Und so musste ab
und an auch mal eine Schneewand als Bremsklotz herhalten.
Doch zur Beruhigung: Alle beteiligten Personen sind
heil, und sogar die Schlitten werden den nächsten
Winter erleben.
Wer
Sport treibt, braucht natürlich auch eine Stärkung.
Diese gab es Freitag Abend in Form eines afrikanischen
Büffets. Nshima, Ifisashi, Kapenta oder Sweet Potatoes
- ungewöhnliche Namen, aber besondere Leckereien.
Und auch lehrreich für manchen Hüttenbewohner, der
die afrikanische Küche bisher nicht kannte: Baked-Beans
können ganz schön scharf sein. Beim Verzehr besser
immer ein Glas Wasser (oder Erdinger) bereithalten.

Fröhlich wird das Chicken zubereitet
„Vor Freude tanzen“. Eine scheinbar abgedroschene
Floskel im deutschen Sprachgebrauch. In vielen Kulturen
jedoch Ausdruck von Spaß und Wohlbefinden. Nicht umsonst
konnte der „African-Dance“ ein ums andere
Mal bewundert werden. Das viel gepriesene Gerücht
des afrikanischen Rhytmusgefühls wurde eindrucksvoll
bestätigt. Hierbei natürlich nicht zu vergessen die
Gesangseinlagen von „The Voice“ Margaret.
Gänsehaut-Stimmung bei Ihre Darbietung von „I
will always love you“. Und die Frage danach:
“Who the hell is Whitney Houston”?
Doch
nicht genug der Musikkunst. Denn was entsteht, wenn
man einen Computer mit einem Beamer kreuzt? Genau,
eine Karaokemaschine. Diese kurz angeschmissen, Draffy
Deutscher und Peter Maffay aus dem Archiv gekramt
und los legten die Afrikanischen Sängerknaben mit
„Marmor, Stein und Eisen bricht“ sowie
„Über sieben Brücken musst du geh’n“.
Gelernt in deutschen Sprachkursen, erfolgreich dargeboten
auf der Hütte. So kam auch der Deutsche Schlager nicht
zu kurz.

Nicht immer verderben viele Köche den Brei
- der Beweis
Unerlässlich bei einem solchen Aufenthalt ist natürlich
eine „Hüttenmutter“, die sich um das Wohlergehen
der Gruppe kümmert. Ein großes Lob gilt hierfür Gilla
Merkel für Ihre Rundumversorgung. Und natürlich nicht
zu vergessen die „helfenden Hände“ Thomas
Kümmerle, Jennifer Merkel, Alex und Juri Lüth, die
Familien Zárate und Schäffauer und natürlich
Felix Ségura, dem Entdecker von 19,2° Süden
(sonst hätte es kein Internet gegeben, da die Satelittenschüssel
dorthin ausgerichtet werden musste...)
Auch die Bergwacht in Form von Schneemobilfahrer Johannes
muss natürlich erwähnt werden. Doch bekommen
Sie keinen Schreck. Dieser musste nicht etwa vermisste
Afrikaner im Wald bergen, sondern war eine große
Hilfe beim Gepäcktransport bei der Abreise. So
wurde den „geschundenen“ Hüttenbewohnern
das Taschen-Bergauf-Schleppen erspart.
Sonntag,
den 14.03.2004 um 14.36 Uhr:
17 Afrikaner mit 17 Notebooks, alle mit dem Ziel Freiburg,
besteigen den Linienbus. Im Gepäck: Viel neues Wissen
und die Erkenntnis: Der Belchen im Schwarzwald ist
immer einen Workshop wert. Zwar mit viel Arbeit aber
auch viel Vergnügen...
[Bericht: Tobias
Erlemann]
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